Längst wird man nicht mehr als alte Jungfer verhöhnt, nur weil man alleinstehend ist und die Freuden des Single-Lebens genießt. Spaß mit wechselnden Partnern kann sehr aufregend sein und sogar eine vorhandene Beziehung auffrischen, wenn beide Seiten damit einverstanden sind. Offene Beziehungen oder wechselnde Partner stehen heute vielmehr für ein freies und erfülltes Intimleben.
Geistige Treue vs. Eifersucht
Wer unter dem Begriff “Offene Beziehung” das Belügen und Betrügen nach Strich und Faden versteht, ist schief gewickelt. Eine offene Beziehung hat nichts mit einem Fremdgehen im herkömmlichen Sinne zu tun. Vielmehr steht beiden Partnern innerhalb so einer Beziehung frei, auch Beziehungen zu anderen Personen einzugehen, ohne die eigentliche Liebe und feste Partnerschaft damit in Frage zu stellen. Zumeist geht es dabei um wechselnde Sexualpartner. Manchmal möchte einer bloß eine Phantasie ausleben oder mit dem Penis plug ein neues Spielzeug ausprobieren und dabei muss nicht immer der Partner mit im Bunde zu sein. Das vorausgesetzte Einverständnis zu so einer Form der Beziehung fußt jedoch in einer geistigen Treue mit dem Partner, die auch mit solchen Eskapaden keineswegs in Frage gestellt wird. Das Vertrauen in den Fortbestand dieser Verbundenheit erfordert ganz besonderer Beziehungsarbeit und kann auch für Paare verbreiteter Zweierbeziehungen durchaus Wege zum Glück aufweisen, wenn zum Beispiel kleine Eifersüchteleien das alltägliche Beisammensein belasten.
Vertrauensvolles Gleichgewicht
Beziehungsprobleme allein kann aber auch eine Offene Beziehung nicht lösen. Vor allem dann nicht, wenn lediglich ein Partner alle Freiheiten genießt und der andere ihn bloß gewähren lässt, aus Angst ihn sonst ganz zu verlieren. Vielmehr gilt es, ganz genau und miteinander einen Rahmen abzustecken, in dessen Grenzen sich beide bewegen und wohlfühlen können. In der offenen Handhabung dessen bleibt dann wenig Raum für ein Konkurrenzdenken der dritten Partei gegenüber, doch gilt es, dieses Gleichgewichtsverhältnis immer neu zu bewerten und den eigenen Handlungsrahmen entsprechend anzupassen. Verstärken sich etwaige Gefühle bloß einseitig und Zulasten des anderen, dann muss die Bereitschaft unangefochten da sein, an diesen Konstellation neu und offen zu arbeiten.
Wenn aus der Abwechslung Konkurrenz wird
Erfüllung findet man in ein solchen Art der offenen Beziehung wohl nur, wenn man bereit ist, doch immer mal vorkommende Schieflagen zu akzeptieren. Schließlich werden kaum ausgewogene Beziehungen mit Dritten entstehen, die sich eins zu eins gegeneinander aufrechnen ließen. Fühlt sich einer der Situation nicht mehr gewachsen, ist das guter Grund genug, die Beziehung auch ganz zu beenden. Anderseits besteht in der tiefen Verbundenheit auch die große Chance, eigene Bedürfnisse nicht allein an einen einmaligen Partner zu stellen. Ein Ersatz für eine schmerzlich vermisste Eigenschaft eines bisherigen Partners kann aber auch eine Offene Beziehung kaum sein.